Giordano Bruno

Einer der erfolglosesten Reformer der Geschichte.

Giordano BrunoAuf dem Campo dei Fiori in Rom steht ein Denkmal. Uninformierte fragen sich schnell, warum baut die Stadt ein Denkmal für abtrünnige Jedi-Ritter? Aber nein, es handelt sich nicht um Anakin Skywalker sondern um einen real-existierenden Vorgänger.

Giordano Bruno wurde als Filippo Bruno im Jahr 1548 in der Nähe von Neapel geboren. 1565 trat er in den Dominikanerorden ein und nahm den Ordensnamen "Jordanus"/"Giordano" an. Schon nach kurzer Zeit beginnt er hier seine Karriere als notorischer Querulant die ihn später quer durch Europa treiben soll. Er entfernt alle Heiligenbilder aus seiner Zelle und lehnt trotzig die Marienverehrung ab. Trotz dieses jugendlichen Rebellentums wird er 1572 zum Priester geweiht. Zu diesem Zeitpunkt hätte sich die Kirche schon viel Ärger ersparen können. 1576 fällt erstmals der Verdacht der Ketzerei auf ihn. In Rom wirft er sich scheinbar reuig dem Papst zu Füßen, dummerweise wird bekannt, dass er vor dem Verlassen des Klosters noch kurz die Schriften des heiligen Hieronmus in der Klosterlatrine versenkt hat.

Auf seiner Flucht gelangt er nach Genf. Dort begeistert er sich für die Ideale des Calvinismus und tritt der calvinistischen Kirche bei. Calvin findet im Gegensatz zu Bruno wenig Gefallen an den Thesen des Nikolaus Kopernikus – Bruno wird verhaftet und exkommuniziert. Einen Widerruf später ist er wieder auf freien Fuß und bereit für das nächste Fettnäpfchen.

In Toulouse hat er 1579 einen Lehrstuhl erhalten. Sein durch ein selbst entwickeltes System trainiertes phänomenales Gedächtnis lässt bei manchen Zeitgenossen den Gedanken an schwarze Kunst aufkommen. Durch den Hugenottenkriege vertrieben geht er nach Paris. Dort benimmt er sich so gut, dass Heinrich III. in unterstützt und ihn mit einem Empfehlungsschreiben nach England schickt. In Oxford scheitert sein Versuch dort zu unterrichten, an seiner Kritik an Aristoteles. Bis 1585 schnorrt er sich in London beim farnzösischen Botschafter durch. Dort verfasst er Schmähschriften gegen die Gelehrten in Oxford ind die Londoner Intellektuellen. In dieser Zeit entstehen aber auch Schriften über seine Sicht des Universums, die extrem modern sind. Leider hatte man zu dieser Zeit mit Menschen, die ihrer Zeit etwa 200 Jahre voraus waren ein mittleres Problem.


Bruno glaubt nicht an das geozentrische Weltbild, nach dem neben der Erde auch der Mensch im Mittelpunkt der Schöpfung steht. Er lehrt die Unendlichkeit des Weltalls und dass daher auf anderern Planeten auch unendlich viele Lebewesen existieren müssen. Gott wohnt allem inne, er ist identisch mit der Natur, daher muss der Mensch nach Erkenntniss der Natur streben und nicht nach Erkenntnis eines höheren Wesens. Religion sollte sowieso durch Philosophie ersetzt werden. Keine sehr populären Thesen zur damaligen Zeit.
1585 zieht es ihn wieder nach Paris, wo er gegen die Verfechter des aristotelischen Weltbildes publiziert. Nach einem publizistischen Angriff gegen einen angesehenen katholischen Mathematiker ist es für ihn klüger, Paris zu verlassen.

In Marburg erhält er keinen Lehrauftrag, kann aber in Wittenberg bis 1588 Aristoteles unterrichten. Dort hat man ja mit jungen Rebellen schon gute Erfahrung gemacht. nach einigem hin und her erhält er eine Professur in Helmstedt und es gelingt ihm das Kunststück nach den Clavinisten nun auch von den Lutheranern exkommuniziert zu werden.
Wo auch immer er in der Folge auf der Suche nach einem Lehrstuhl hingelangt, schaffte er es, die Situation gerne sich zu wenden. Trotz mächtiger Gönner ist der Fuß der Gesellschaft nach kurzer Zeit meist nur noch Zentimeter von seinem Allerwertesten entfernt.

So auch in Frankfurt, wo er binnen eines Jahres die Stadtältesten gegen sich aufbringt und ausgewiesen wird.

Er erfährt voneinem lehrstehenden Lehrstuhl in Padua. Sein Heimweh ist stärker als seine Intelligenz und er geht nach Italien zurück. Besagter Lehrstuhl wird aber nach kurzer Zeit dann doch an einen gewissen Galileo Galilei vergeben. Bruno folgt jetzt der Einladung eines Bewunderers nach Vendig. Dieser Bewunderer erhofft sich von Bruno anderer Unterweiseung, als er sie bieten kann - ein Schwarzkünstler ist er dann trotz aller üblen Nachrede ja doch nicht. Enttäuscht verpfeift der nette Gastgeber, Zuane Mocenigo, Bruno an die Inquisition.

Nach mehrerern Verhören widerruft Giordano Bruno routiniert, unterschätzt aber die Beharrlichkeit der Inquisition, die, durch die aktuelle Reformationsbewegung entnervt, ein wenig übersensibel reagiert.Er wird nach Rom gebracht un für sieben jahre in der Engelsburg eingekerkert, während man das Verfahren gegen ihn vorbereitete. Damals waren die Gerichte noch gründlich. Im Februar 1600 wird das Urteil gegen ihn verkündet: Tod auf dem Scheiterhaufen wegen Ketzerei und Magie.

Ein letztes mal brüskiert er die Kirche. Sein Urteil kommentiert er mit dem legendären Satz: "Mit mehr Angst verkündet Ihr das Urteil, als ich es entgegen nehme".
Am 17. Februar 1600, eine gute Woche, nach der Urteilsverkündung brennt Giordano Bruno auf dem Campo dei Fiori.

Seine Schriften bleiben bis 1965 auf dem Index.

Im Jahr 2000 bereut Papst Johannes Paul II. öffentlich das Todesurteil gegen Giordano Bruno.

Das Denkmal auf dem Campo dei Fiori wurde 1889 errichtet, als sich der damalige Premierminister nicht nachsagen lassen wollte, dass er mit der katholischen Kirche freundschaftlichen Umgang pflege. Bruno schaut deshalb auch vorwurfsvoll Richtung Vatikan. Das Denkmal ist alledings nicht Bruno alleine gewidmet, sondern auch anderen freigeistigen "Ketzern".Auf dem Sockel findet man u.a. Abbildungen von Erasmus von Rotterdam, Tommaso Campanella und Jan Hus.

Zur selben Zeit bekam der Papst, der ja vor wenigen Jahren erst den Kirchenstaat verloren hatte und nun in selbstgewählter Gefangenschaft im Vatikan lebte, auch schon mal Post mit Wahlunterlagen, da er jetzt ja Staatsbürger Italiens sei.

 


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