Michail Gorbatschow

Einer der wichtigsten Menschen des 20. Jahrhunderts:

 

Vor 20 Jahren wurde Michail Sergejewitsch Gorbatschow Generalsekretär der KPdSU und damit deren Parteichef. Er sollte das Amt bis 1991 innehaben.

Er war der dritte Parteichef in zwei Jahren. 1982 starb 75jährig Leonid Breschnew , 1984 sein Nachfolger Jurij Andropow mit 69 Jahren und am 10. März 1985 der 73 Jahre alte Konstantin Tschernenko. Gorbatschow war an sich schon eine echte Neuerung, er war bei seiner Wahl 54 Jahre alt.

Da die kommunistische Partei die alleinige Regierungsmacht hatte, war er faktisch Regierungschef der Sowjetunion (SU).

Aber auch in der Sowjetunion gab es einen Ministerpräsidenten und einen Staatspräsidenten. Der Ministerpräsident hatte den Titel „Vorsitzender des Ministerrates“ und war damals Nikolai Ryschkow. Staatspräsident unter Gorbatschow war von 1985 - 1988 Andrei Gromyko.

Andrei Gromyko war damals dienstältester Außenminister der Welt. Er wurde 1957 unter Generalseketär Chrutschow Außenminister. Bis 1985 erlebte er fünf bundesdeutsche fünf DDR- und neun US-Außenminister.

Mit der Wahl Gromykos zum Staatspräsidenten wurde der bundesdeutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher von der FDP zum dienstältesten Außenminister der Welt. Er war seit 1974 im Amt und sollte es bis 1992 bleiben.

Eine echte Klugscheißer-Info: Genscher war genaugenommen nur von 1974 bis zum 17. September 1982 Außenminister. Dann platze die sozialliberale Regierungskoalition, die FDP-Minister traten zurück, Bundeskanzler Helmut Schmidt von der SPD übernahm vorrübergehend das Außenamt. Am

1. Oktober 1982 war Genscher wieder Aussenminister, aber unter Bundeskanzler Helmut Kohl von der CDU. Und blieb es bis zum 18. Mai 1992.

Und noch etwas: Gerhard Schröder war auch schon mal Außenminister. Allerdings war das von 1961 bis 1966 und dieser Gerhard Schröder war Jahrgang 1910 (starb 1989) und war während seiner Karriere als namhafter CDU-Politiker auch Bundesinnenminister und -verteidigungsminister.

Zurück zu Gorbatschow: Er hatte ein schweres Erbe übernommen. Vor Gorbatschow konnte man ohne Computer vorhersagen, wer einen Posten bekommt – es war meistens der älteste Genosse. Und das durch kommunistische Ideologie festgelegte System förderte auch nicht Menschen mit Ideen und Eigeninitiative, sondern Vetternwirtschaft und Funktionäre, die Phrasen aufsagen konnten.

Auch wenn Kommunisten bei uns als „Linke“bezeichnet werden,so kann man sagen, dass die Kommunisten in der Sowjetunion und den anderen Ostblockstaaten Erzkonservative waren. Aus Angst vor Machtverlust war das System unflexibel geworden und mangels wettbewerbsorientierter Wirtschaft dem Westen unterlegen. Die SU war eine konservative Diktatur alter im Geiste unbeweglicher Männer.

Hinzu kam, dass seit 1980 in den USA Ronald Reagan regierte. Er war ein strammer Antikommunist und hielt nicht viel von Entspannungspolitik. Die Sowjetunion war für ihn das „Reich des Bösen“, was an allen Fronten,die der kalte Krieg zuließ, bekämpft werden sollte. U.a. wollte Reagan versuchen den Ostblock „totzurüsten“.

Reagan plante den Ostblock "todzurüsten".1983 initiierte Reagan die „Strategic Defense Initiative“ (SDI), ein weltraumgestütztes Raketenabwehrsystem. Dadurch würde die USA "unverwundbar" und wäre geschützt gewesen vor den Interkontinentalraketen der SU. 1983 wurde dann auch noch die Nachrüstung im Rahmen des NATO-Doppelbeschluss' umgesetzt. In Westeuropa wurde US-Mittelstrecken-Atomraketen von Typ „Pershing II“ stationiert, um die sowjetischen „SS-20“-Stationierungen auszugleichen.

Die Sowjetgeneräle wiederum planten entsprechende Gegenmaßnahmen, drehten die Rüstungsspirale ein Stückchen weiter und übernahmen sich. Die Sowjetunion war durch ihre Planwirtschaft nicht wettbewerbsfähig und die Wettrüstung verstärkte nur noch die Versorgungsprobleme des Landes.

Gorbatschow sah, dass er einige änders müsste, um die Sowjetunion zu retten. Er hatte diese Überlegungen schon zusammen mit seinem späteren Außenminister Eduard Schewardnadse getätigt. Beiden war klar, dass das Land verfällt.

Gorbatschow wurde 1985 zum jüngsten Generalsekretär der Kommunistischen Partei gewählt. Er wollte den Verfall des Kommunismus durch Glasnost (Offenheit, Transparenz) und Perestroika (Umstrukturierung, Umbau) aufhalten.

Perestroika sollte die Diktatur in der Sowjetunion reformieren und stabilisieren.

Glasnost sollte die Staatsführung gegenüber der Bevölkerung transparenter machen.

1986 war der 27. Parteitages der KPdSU und dort bekannte sich Gorbatschow zu Fehlern seit Stalin, dem geheimen Zusatzprotokoll zum Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin von 1939 und der sowjetischen Verantwortung für das Massaker von Katyn an polnischen Offizieren 1940.

Gorbatschow gab den Medien mehr Möglichkeiten sich auch kritisch zu den politischen und gesellschaftlichen Ereignissen zu äußern.

Der regimekritische Physiker Andrej Sacharow wurde aus der Verbannung entlassen, friedliche Demonstranten nicht mehr einfach so verhaftet, die Kirchen durften wieder handeln, verbotene Bücher und Filme wurden wieder zugelassen und die Wirtschaft bekam etwas Selbständigkeit. Das damit später auch die schnell zu Millionären gewordenen Oligarchen hochkamen, war damals noch nicht abzusehen.Bei Wahlen sollten mehrere Kandidaten zu Wahl stehen können, solange sie Mitglied der KPdSU waren.

In der Außenpolitik beendete er das Wettrüsten, schlug das "gemeinsame europäischen Haus" vor, traf sich mit Reagan in Genf und Reykjavik und schloss 1987 mit den USA einen Abrüstungsvertrag, der die SS-20 und die Pershings abbaute. 1988 zog sich die rote Armee aus Afghanistan zurück in das sie 1979 einmarschiert war.

Er lockerte die Zügel für die verbündeten Warschauer Pakt-Staaten. Mit fatalen Folgen für die Sowjetunion, denn unter den Sowjetvölkern kamen Sezessionsgedanken und ethnische Konflikte auf. Die Gebiete im Baltikum sahen eine Chance auf Unabhängigkeit und es gab Unruhen, 1989 m georgischen Tiflis, 1990 in Aserbaidschan etc.

Die Bündnispartner bekamen auch mehr Gestaltungsfreiheit und mussten nicht mehr bei allem die SU fragen. Diese Freiheiten ebneten auch den Weg zu deutschen Einheit. Im Mai 1989 baute Ungarn seine Grenzanlagen zu Österreich ab, im August fand ein sogenanntes "paneuropäisches Picknick an dieser Grenze statt, welches zahlreiche DDR-Bürger zur Flucht in den Westen nutzten. Der "Eiserne Vorhang" hatte Löcher bekommen, mit fatalen Folgen für die DDR, deren Bürger nun leicht Zugang zu ihrem "Alternativstaat" im Westen hatten.

Durch die Reformen wuchs unter alter Garde, aber auch karrierebewussten Demokraten, Volk und Militär die Unzufriedenheit. Zudem der Wechsel von Plan- zur Marktwirtschaft niht reibungslos vonstatten ging (und heute noch geht).

1991 putschte das Militär gegen Michail Gorbatschow. Für drei Tage. Dann war das vorbei. Demokraten verbündeten sich mit "Separatisten" und stützten Gorbatschow. Allerdings stärkte das auch die Unabhängigkeitsbewegungen in den nach Souveränität strebenden Gebieten wie dem Baltikum.

Im Dezember 1991 wurde zwischen Russland, der Ukraine und Belorussland ein neuer Staatenbund geschlossen und die SU vom russischen Präsidenten Jelzin für abgewickelt erklärt.

Gorbatschow trat Ende 1991 als Präsident zurück.

1996 bewarb sich Gorbatschow bei der Präsidentenwahl und bekam gerade einmal 0,5 Prozent der Stimmen.

Michail Gorbatschow ist Ehrenbürger von Aberdeen, Berlin, Bologna, El Paso, Florenz, Kardamylla auf der griechischen Insel Chios, Piräus, Sesto San Giovanni,. Er ist Träger des Großkreuzes der heiligen Agatha von San Marino, der Goldmedaille der Athener Prometheus-Universität, des Friedensnobelpreises und und und.

Aber die Russen sehen ihn zwiespältig, sie teilen ihre Geschichte in "vor Gorbatschow", "während Gorbatschow" und "nach Gorbatschow" ein. Einige nennen ihn den "besten Deutschen" was nicht unbedingt eine Auszeichnung ist.

 


nach oben  Startseite