Grand Prix Eurovision - Vorausscheidung

Den Grand Prix Eurovision gib es seit 1956.

Um es kurz zu machen: Gewonnen hatte Deutschland nur einmal, 1982 mit Nicole "Ein bisschen Frieden".

Und irgendwie hat jeder aus der deutschen Showbranche irgendwann was damit zu tun gehabt und Regeln zum Ablauf der deutschen Vorentscheidungen waren sehr variabel und jedes Jahr irgendwie anders. Auch die Auswahl der Künster und der Komponisten und Texter war z.T. sehr willkürlich:

Die erste deutsche Vorentscheidung war am 1. Mai 1956 in Köln.

Eine Jury wählte die zwei besten Songs aus, die Deutschland beim allerersten Grand Prix in Lugano vertreten sollten. Teilnehmer waren u.a. Lys Assia, Margot Hielscher, Freddy Quinn und Margot Eskens

1957 traten zur deutschen Vorausscheidung vier Künstler an. Das Ganze erfolgte während der Fernsehsendung "Zwei auf einem Pferd" (Moderation: Hans-Joachim Kulenkampf). Gewonnen hatte Margot Hielscher mit "Telefon, Telefon".

Eine deutsche Vorentscheidung 1959 gab es nicht, die Kessler-Zwillinge wurden von der ARD zum Grand Prix nach Cannes geschickt.

1961 moderierte Heinz Schenk die Vorentscheidung. Unter den Teilnehmern war auch Dieter Thomas Heck, Fred Bertelmann und Lale Andersen. Die Jury bestand aus 10 Fachleuten und 11 "Laien".

1962 moderierte Klaus Havenstein, die zwölf Künstler mit je zwei Liedern wurden von Schallplattenfirmen nominiert. U.a. war auch Billy Ramsey mit dabei. Gewonnen hatte Conny Froboess mit "Zwei kleine Italiener". Es gab eine Jury aus Fachleuten und Publikum.

1963 wurde Heidi Brühl als Interpretin ausgeguckt. Sie sollte für die Vorausscheidung 5 Lieder singen und eines davon dann beim Prand Prix. Da sie krank wurde sprang Margot Eskens für sie ein. Die Jury waren die Fernsehzuschauer, die mittels Postkarten abstimmten. Zum Grand Prix fuhr dann wieder Heidi Brühl.

1964 bestand die Jury aus 10 Experten, die je fünf Punkte vergeben konnten und 50 "Laien", die je 1 Punkt vergeben konnten.

1966 wurde Margot Eskens als Vertreterin Deutschlands bestimmt. Aus den eigereichten Liedern wurde von neun Leuten eines für Margot Eskens ausgesucht. Das Lied wurde in der Quiz-Show "Einer wird gewinnen" (Moderator: Hans-Joachim Kuhlenkampf) vorgestellt.

1967 das gleiche Spiel: Diemal war Inge Brück die Interpretin und stellte in der Sendung "Zum blauen Bock" ihr Lied "Anuschka" vor.

1969 gab es eine Vorunde und eine Finalrunde in der 11 Juroren den Sieger ermittelten. Teilnehmer waren u.a. Rex Gildo und Peggy March.

1970 wurden die 30 erfolgreichsten Komponisten, 15 Texter und 15 Verleger beauftragt für einen weiblichen und einen männlichen Interpreten ein Lied zu schreiben.Die Interpreten wurden von den ARD-Unterhaltungschefs bestimmt.

Dabei waren u.a. Reiner Schöne, Mary Roos, Roberto Blanco und Katja Ebstein. Katja Ebstein fährt nach Amsterdam und wird Dritte.

1971 wurden 6 Komponisten beauftragt für Katja Ebstein je ein Lied zu schreiben. Diesmal war die Jury eine Gruppe aus 5 "musikinteressierte" Laien unter 25 Jahren und 5 "Experten".

Katja Ebstein wurde in Dublin wieder Dritte.

1972 schlugen die Plattenfirmen Künstler vor. Die ARD suchte 12 Interpreten und auch das Lied aus. Damals war der Komponist Ralph Siegel das erste Mal dabei.

Die Jury bestand aus fünf "musikinteressierte Laien" unter 25 Jahre und fünf "Experten" und ermittelte den Siegertitel in zwei Durchgängen.

Mit dabei waren Cindy und Bert, Olivia Molina, Su Kramer und Mary Roos. Mary Roos gewann mit "Nur die Liebe lässt uns leben".

1974 wurden Cindy und Bert, Anne Karin und Jürgen Marcus nominiert. Komponisten und Texter schreiben je zwei Lieder. Aber alle zwölf Titel werden abgelehnt, die Komponisten reichen Lieder nach. Schließlich werden Cindy und Bert in der Sendung "Die Montagsmaler" als deutsche Vertreter vorgestellt.

1975 wurden wieder Lieder in Auftrag gegeben über die eine 36-Personen-Jury aus der ARD entschied. Mit dabei waren: Marianne Rosenberg mit dem legendären "Er gehört zu mir", wieder mal Mary Roos, Peggy March, Katja Ebstein, Jürgen Markus. Joy Fleming gewann mit "Ein Lied kann eine Brücke sein"

1976 wurden 12 Lieder zur Postkartenabstimmung gestellt. Darunter Lieder von Tina York, Lena Valaitis, Bruce Low, Ina Deter, Maggie Mae und Ireen Sheer. Gewonnen hatte Tony Marshall, aber das Lied wurde vor 4 Jahren schonmal gesungen und Tony Marshall disqualifiziert. Nach Den Haag gingen Les Humphries Singers mit "Sing Sang Song" (von Ralph Siegel).

1977 gab es keine öffentliche Vorentscheidung. Die Gruppe Silver Convention wird nach London geschickt.

1978 wurde aus 53 Vorschlägen Ireen Sheer mit "Feuer" mittel Radiohörerumfrage und Expertenwertung ausgesucht.

Die Jury wollte am liebsten niemanden zum Sieger erklären. Ireen Sheer wurde dennoch nach Paris geschickt und erreichte den sechsten Platz.

1979 moderierten Carolin Reiber und Thomas Gottschalk. Die 12 zur Wahl stehenden Titel wurden von einer Jury ausgesucht und der Siegertitel von Infratest repräsentativ ermittelt.

Die von Ralph Siegel für den Grand Prix zusammengestellte Gruppe Dschinghis Khan gewinnt.

1980 moderierten wieder Carolin Reiber und Thomas Gottschalk

Es traten u.a. an Costa Cordalis, Marianne Rosenberg, Roland Kaiser, Stefan Waggershausen und Katja Ebstein, die mit dem Ralph Siegel-Lied "Theater" gewann.

1981 moderierte Katja Ebstein, Telnehmer war auch Nicole, damals mit "Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund". Sie wurde Zweite. Lena Valaitis mit "Johnny Blue" gewann und wurde in Dublin dann Zweite.

1982 wurden 807 Beiträge eingereicht. Daraus suchte eine 13köpfige Jury 24 Lieder aus. Die Lieder wurden im Radio zur Abstimmung gestellt und schließlich 12 davon für Entausscheidung repräsentativ ermittelt. Auch die Entausscheidung wurde via Meinungumfrage entschieden. Es gewann Nicole "Ein bißchen Frieden" (wieder ein Ralph Siegel-Lied) . Mit dabei waren mal wieder Marianne Rosenberg und Mary Roos, aber auch Gottlieb Wendehals, Paola und Jürgen Marcus mit einem Lied von Joachim und Thomas Fuchsberger.

1983 tritt Dieter Bohlen als Komponist an. Das Lied ("Mit 17") wurde von Bernd Clüver gesungen. Auch dabei waren Costas Cordalis, Wencke Myhre und Sohn. Hoffmann und Hoffmann gewannen mit "Rücksicht".

1984 moderiert nicht mehr Carolin Reiber sondern Sabine Sauer.

Mary Roos gewinnt mit "Aufrecht geh'n".

1985 gewinnt die Gruppe Wind mit "Für alle". Und es ist kein Ralph Siegel-Song sondern einer von Hanne Haller.

1986 findet der Grand Prix in Norwegen statt, die Vorentscheidung moderieren Wencke Myhre und Sabrina Lallinger. Nach Bergen fährt Ingrid Peters ("Über die Brücke geh´n") und wird Achte.

1987 kommt Hape Kerkeling und führt seine geniale Parodie des Grand-Prix-Abstimmungsverfahren vor. Ralph Siegel schafft es mit fünf Titeln aus der Vorrunde ins Finale. Der Texter Bernd Meinunger bringt sechs Titel durch.

1988 moderiert Jenny Jürgens, die Tochter Udo Jürgens'. Zu Gast ist Johnny Logan, der zweimalige Grand Prix Gewinner

1989 moderiert Hape Kerkeling. Die Zuschauer stimmen in der Endrunde via TED ab.

Nino de Angelo gewinnnt mit dem von Dieter Bohlen komponierten Song "Flieger".

1990 wurden die 10 Teilnehmertitel im Radio vorgestellt.Die Hörer wählten per Postkarte Isabell Varell, die damalige Frau Drafi Deutschers, zur Siegerin. Aber relvant war nachher das TED-Ergebnis der Fernsehsendung. Und da kam Isabell Varell nur auf den 6. Platz. Drafi Deutscher schaltet einen Rechtsanwalt ein. Gewonnen hatten Chris Kempers und Daniel Kovac mit "Frei zu leben". natürlich von Ralph Siegel.

1991 war die erste gesamtdeutsche Vorentscheidung. Der TED war wegen des Telefonmagels in der ehemaligen DDR durch eine repräsentative Befragung ersetzt worden. Gewinner: Atlantis 2000 "Dieser Traum darf niemals sterben".

1992 gab es nur 6 Lieder im Finale. Jurys der verschiedenen ARD-Sender entscheiden über den Sieger. Die Gruppe Wind gewinnt.

1993 wurde die Band Münchener Freiheit vom MDR nominiert und aus 5 Liedern eines ausgesucht. In Dublin wurde die Gruppe Achtzehnter.

1994 gab es auch keine Vorentscheidung. Die für den Grand Prix zusammengestelle Mädchenband MeKaDo sang den Ralph Siegel Song "Wir geben `ne Party"

MeKaDo kam in Dublin auf den dritten Platz.

Die Gruppe MeKaDo bestand aus Melanie Bender, Tochter von Steve Bender, der Mitglied der Gruppe Dschinghis Khan war, Kati Karney und Dorkas Kiefer. Der Namer war zusammengesetzt aus den Vornamen der Mädchen.

1996 war wieder eine öffentliche Vorentscheidung. Es gewann Leon mit Hanne Hallers Song "Blauer Planet". Aber Leon scheiterte bei der internen Vorauswahl zum Grand Prix.

1998 war das Jahr des Meisters Guildo Horn. Die 10 Teilnehmer wurden von ihren Plattenfirmen nominiert. Die Entscheidung traf das Publikum über Telefon. Aufgrund des Guildo Horn-Hypes schauten 7,73 Millionen Zuschauern zu und 61,8 % der Anrufer stimmten für Guildo Horn und die orthopädischen Strümpfe.

1999 wurden wieder die Künstler von ihren Plattenfirmen nominiert. Es sind auch wieder englische Titel zugelassen. MIt dabei war der GZSZ-Star Jeanette Biedermann und die blinde Corinna May.

Corinna gewann, wurde aber disqualifiziert, da das Lied 1997 schon auf CD erschienen war. Sie wusste davon nichts, denn das Lied hatte der Komponist mit seiner eigenen Band "Number Nine" gesungen. Damit wurde die auf dem zweiten Platz liegende Ralph Siegel-Gruppe Süpriz zum Sieger erklärt.

2000 gewann Stefan Raab nach massiver Selbst-Promotion über seine Fernsehsendung "TV Total" mit "Wadde hadde dudde da?" Zweite wurde Corinna May. Es war das Jahr der schrägen Teilnehmer: Knorkator, Lotto King Karl, Fancy (ein Relikt aus der Disco-Fox-Zeit) und die Gruppe E-Rotik.

2001 gewann Michelle mit "Wer Liebe lebt". Auch 2001 traten interessante Typen auf: Rudolf Moshammer, Zlatko und fast noch Thomas Gottschalk. Thomas Gottschalk wollte teilnehmen, weil er seine Wette bei "Wetten dass" verloren hatte, aber da es zu sehr nach Mauschelei aussah, zog er seine Teilnhame zurück. Da live gesungen werden musste fiel "Big Brother"-Zlatko beim Fernsehpublikum und den Zuschauern vor Ort durch.

Die deutschen Schlagerstars

Alice und Ellen Kessler wurden am 20. August 1936 geboren. Ab 1955 traten sie im Pariser Lido auf und waren in Frankreich und Italien sehr erfolgreich.

Cindy und Bert bestehen aus Jutta Gusenburger und Norbert Berger. Cindy war Versicherungskauffrau, ihr Ehemann Bert Industriekaufmann.

Zwischen 1972 und 1979 hatten sie mehrere Hits. Bert besitzt seit den 80er Jahren ein eigenes Tonstudio und arbeitet als Produzent, Komponist und Texter. Cindy Berger startet Mitte der 80er Jahre eine Solo Karriere. Sie sind inzwischen geschieden.

Ihr Sohn macht unter dem Namen "Berger" auch Musik. Von ihm war der "Big Brother"-Hit "Zeig mir Dein Gesicht".

Die Erfolge von Cindy und Bert waren: Geh die Straße (1972), Immer wieder Sonntags (1973), Spaniens Gitarren (1974), Aber am Abend, da spielt der Zigeuner (1974). U.a. war von ihnen die deutsche Cover-Version des Blck Sabbath-Songs "Paranoid" mit dem Titel "Baskerville".

Joy Fleming kommt aus Mannheim und heisst eigentlich Erna Strube. Bis in die siebziger Jahre war sie die einzige deutschsprachige Soulkünstlerin.

Lena Valaitis wurde 1943 in Memel, damals gerade deutsch, jetzt Litauen geboren. Sie ist mit dem Schauspieler und Kabarettisten Horst Jüssen verheiratet.

Mary Roos heisst eigentlich Marianne Rosemarie Schwab.

Nach ihrem Grand-Prix-Titel "Nur die Liebe lässt uns leben" war sie Gast im Pariser "Olympia".

Auch hatte sie mal einen Auftritt in der "Muppet Show". Sie war von 1981—1989 verheiratet mit Werner Böhm (Gottlieb Wendehals).

Tina York ist ihre Schwester und war auch erfolgreich im Musikgeschäft.

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Werner Böhm (Gottlieb Wendehals) hat Dekorateur gelernt.

1961 war er mit 16 Jahren Deutschland bester Boogie-Woogie Pianist.

Von 1961-1968 war er erfolgreicher Dekorateur in Hamburg und Genf.

Er wurde Texter bei Tchibo und ging in die Werbung bis 1970.

Er wurde wieder "Musiker" und trat als Jazz-Pianist auf.

1971—1973 war Werner Böhm Produktmanager bei der Plattenfirma Teldec und in der Werbung tätig als Texter und Konzeptionist ("Ernte 23", "Der General")

1974 gründete er das "Werner Böhm Quintett" und 1975 die "Rentnerband".

Ab 1979 gab es Werner Böhm als "Gottlieb Wendehals".

Die legendäre "Polonäse Blankenese" ist von 1982.

Werner Böhm ist heute noch Texter, Komponist und Produzent.

 


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