Die Grippe

 

Da ich momentan mal wieder mit den ein oder anderen Symptomen kämpfe dacht' ich mir, das wäre ein gutes Thema der Woche.

Aber: Ich bin kein Arzt, alles was hier steht ist laienhaftes Geplappere für das ich keine Garantie übernehme. Falls sich jemand von Euch mit heldenhaften Selbsttherapien die Lichter ausschießt, ich war's nicht.

Die Bezeichnung "Grippe", bedeutet im Französischen so viel wie "Laune".

Während der Grippesaison 1999/2000 zählten deutsche Ärzte rund fünf Millionen Patienten, die wegen akuter Atemwegsproblemezu ihnen kamen.

Unterscheiden muss man auf alle Fälle den "grippalen Infekt" und die Viruserkrankung "Grippe" auch "Influenza" genannt.

Der "grippale Infekt" ist die Bezeichnung für eine Vielzahl verschiedener infektiöser Erkrankungen, hauptsächlich der oberen Atemwege, mit Schnupfen und Husten. Im Gegensatz zur Grippe fehlen beim grippalen Infekt häufig Fieber und Schüttelfrost.

Grippesymptome

  • Plötzlich hohes Fieber
  • Muskel- und Nackenschmerzen, "Reißen in den Knochen"
  • Erkältungssymptome
  • Kopfschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Allgemeine große körperliche Schwäche
  • Gefahr für Lungenentzündung

 

Die Infektion erfolgt klassischerweise durch Tröpfcheninfektion. D.h. ein Infizierter niest und ein Gesunder atmet die in der Luft befindlichen Flüssigkeitströpfchen ein. In diesen Tröpfchen lauern dann die Erreger.

Es gibt drei verschiedene Typen von Influenza-Viren, die Typen A, B und C.

Hier ist vor allem der Subtyp A für die Pandemien des 20. Jahrhunderts verantwortlich.

"Pandemie" - kluges Wort - das ist eine über weite Gebiete (Länder und Erdteile) ziehende Seuche, Seuche mit zeitlicher und ohne örtliche Begrenzung

Außerdem gibt es noch "Endemie", da ist laut Lexikon:
E
ndemie [griechisch] Landeskrankheit
eine Infektions- oder sonstige Krankheit, die in einem bestimmten Gebiet ständig herrscht oder immer wieder auftritt; z. B. die Pest in der Ganges-Niederung, die Malaria in bestimmten Moor- und Sumpfgegenden.

Und weil wir gerade dabei sind:
Epidemie [griechisch]
das Auftreten massenhafter Infektionsfälle in einem begrenzten Bezirk gleichzeitig oder in laufender Folge. Man unterscheidet Kontaktepidemien mit langsamem Anstieg der Erkrankungsziffern und Explosivepidemien mit plötzlichem Ausbruch zahlreicher Fälle einer Infektionskrankheit (z. B. bei Verseuchung des Trinkwassers).

Noch heute sterben allein in Deutschland jährlich ca. 15.000 Menschen an Influenza. Weltweit rechnen Forscher mit 1,5 Millionen Grippetoten jedes Jahr.

Das Influenza-Virus sieht im Elektronenmikroskop wie ein Seeigel aus. Allerdings sind die "Stachel" sehr spezifisch in ihrer Form und Funktion. Sie bestehen aus den Proteinen Hämagglutinin und Neuraminidase. Mit dem Hämagglutinin erkennt das Virus sialinsäurehaltige Endgruppen auf den Lungenepithelzellen. Es nutzt es also, um das "Opfer" zu erkennen und anzudocken. Das geht nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip.

Danach gelangt das Virus ins Zellinnere und entlässt sein Genom, 8 RNS-Einzelstränge, die wiederum die Zelle zur Bildung von tausenden neuen Viren nutzt. Zum Schluss koppelt sich das Virus von der Zelloberfläche ab, wobei die Neuraminidase eine Bindung zwischen Sialinsäure und
Zelle kappt. Danach beginnt der Zyklus von neuem.

Das Virus hat eine Inkubationszeit von 1-3 Tage.

Der Krankheitsverlauf ist sehr massiv. Die Symptome sind ziemlich typisch und zeichnen sich hauptsächlich durch ein urplötzliches Auftreten aus. Die Erkrankten können oft noch die Uhrzeit nennen, seit der es ihnen schlecht geht.

Im Vergleich zum grippalen Infekt ist vor allem das plötzliche Auftreten und die rasche Verschlechterung der Symptome typisch. Grippekranken geht es richtig dreckig!

Vorbeugung

Der einzige effektive Schutz ist die Grippe-Impfung. Allerdings nutzen nur etwa 10 Prozent der Deutschen diese Chance zur Immunisierung.

Beim Serum handelt es sich um inaktivierte Viren, d.h. man spritzt die Hülle mit Hämagglutinin und Neuraminidase ohne die RNA. Das Serum wird jährlich neu von der WHO zusammengestellt, je nachdem was an neuen Subtypen entstanden ist.

Vor allem für ältere Menschen, Patienten mit Diabetes, Immunschwächen oder chronischen Lungen- oder Herzerkrankungen kann diese Unterlassung fatale Folgen haben . Die Ansteckungsgefahr liegt bei dieser Gruppe ungeimpft dramatisch höher als mit Impfung, schwere Komplikationen und Todesfälle werden wahrscheinlicher.

Bei den üblichen Grippe-Schutzimpfungen wird endweder mit Tot-Impfstoff (inaktivierte Viren oder Virenpartikel) oder Lebend-Impfstoff geimpft. Nach knapp zwei Wochen bildet der Organismus Antikörper und ist somit gegen die geimpften Virenstämme immun. Der Schutz hält für den ganzen Winter an.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) in Berlin empfiehlt eine Impfung vor allem folgenden Personengruppen:

  •  Ältere Menschen (über 60 Jahre)
  •  Patienten mit chronischen Lungen-, Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenerkrankungen
  •  Diabetiker
  •  Menschen mit Immunabwehrschwächen, die ein erhöhtes Risiko für schwer verlaufende Influenza haben und
  •  Menschen, die häufig mit anderen Menschen zu tun haben, beispielsweise Beamte in Ämtern, Lehrer, Erzieher oder Klinikpersonal.

Von den bundesweit rund 25 Millionen Risikopersonen lassen sich leider weniger als die Hälfte impfen.

Hilfreich zur Vorbeugungist vor allem die Stärkung der Abwehrkräfte durch:

  • genügend Schlaf
  • gesunde, vitaminreiche Ernährung
  • wenig Stress

Das gilt gerade auch für Menschen, die keiner Risikogruppe angehören und für die eine Schutzimpfung nicht unbedingt notwendig ist.

Behandlung

Im Normalfall dauert eine Grippe rund 7 Tage und dann braucht man noch bis zu 4 Wochen, bis man wieder komplett fit ist.

Neben Bettruhe wird die Grippe mit fieber- und entzündungshemmenden Mittel behandelt.

Es gibt aber auch Medikamente, die direkt gegen das Virus vorgehen: Schon seit längerer Zeit wird der Wirkstoff Amantadin zur Vorbeugung und zur Behandlung der Typ-A-Influenza eingesetzt.

Das verantwortliche Influenzavirus wurde 1933 erstmals isoliert. 1934 gelang es am National Institute for Medical Research in England Dr. Charles Stuart-Harris, erste Schritte zur Entwicklung eines Impfstoffes auszuführen.

Der Arzt weist das Virus im Labor nach aber mittlerweile gibt es auch Schnelltests (Teststreifen).

Der Körper bildet Antikörper innerhalb von 14 Tagen.

Die Schutzwirkung beträgt ca. 3-4 Monate, danach nimmt sie langsam ab. Die Impfung ist jährlich zu wiederholen, da andere Subtypen zirkulieren können.
Optimalerweise lässt man sich im Oktober impfen.

Die Impfung bietet leider keinen 100%igen Schutz. Bei Gesunden geht man von 70-90 % Schutz aus, bei Multimorbiden kann sich das auf 30 % reduzieren.

Seit 1999 gibt es Wirkstoffe ("Neuraminidase-Hemmer"), die das Molekül Neuraminidase auf der Oberfläche des Influenzavirus vom Typ A und B blockieren. Dadurch können die Viren, die in den Schleimhautzellen neu gebildet werden, nicht freigesetzt werden. Damit können sich die Erreger im Organismus nicht weiter ausbreiten. Die Behandlung muss allerdings innerhalb der ersten 36 Stunden der Krankheit begonnen werden. Die Dauer der Grippe wird damit um zwei bis drei Tage verkürzt, die Beschwerden werden gelindert.

Damit lassen sich wenigstens die drastischen Auswirkungen der Grippe-Erkrankung wesentlich reduzieren. Der einzige Nachteil ist, das sie meines Wissens nicht von den Kassen gezahlt werden.

Antibiotika richten gegen die Influenzaviren nichts aus, wohl aber gegen zusätzlich auftretende bakterielle Infektionen.  

Einige Regeln:

Gehen Sie mit den freiverkäuflichen Mitteln gegen Schmerzen, Fieber, Husten oder Schnupfen vorsichtig um.

Fiebersenkende Mittel sollten erst ab einer Körpertemperatur von 39 Grad Celsius eingesetzt werden. Bei Kindern sollte man am besten ganz darauf verzichten. Ein Hausmittel gegen das Fieber sind z. B. kalte Wadenwickel und regelmäßiges Trinken.

Zur Linderungegen die Beschwerden im Nasen-Rachen-Raum eignen sich Salzlösungen zum Gurgeln oder zum Einsprühen in die Nase.

Husten befördert Schleim aus den Atemwegen und sollte deshalb nicht unterdrückt werden. Medikamente, mit denen der Husten gestoppt wird, sind nur bei "trockenem" Reizhusten (ohne Schleimbildung) sinnvoll.

Bei Grippe sind normalerweise schleimverflüssigende Mittel besser geeignet als Hustenblocker.

Ganz wichtig ist es, sich körperlich zu schonen und viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

Grippeepidemien:

Die meisten Epidemien und Pandemien haben ihren Ursprung in Südostasien, vor allem in China. Dort leben noch Menschen mit Schweinen und Geflügel unter einem Dach. Sowohl Schweine als auch Enten und Hühner haben Influenza-Viren, die für den Menschen normalweise nicht infektiös sind. Sie können aber alle Schweine infizieren und sich rekombinieren, das ist der sogenannnte "Antigen-Shift".

Ein Antigen-Drift, eine sog. Punktmutation kann auch noch vorkommen. Entsteht dann daraus eine neue Mutation von Influenza A, von dem im Körper des Menschen keine Antikörper vorliegen, steht der nächsten Pandemie nichts im Wege. Das Virus ist nämlich hochinfektiös.

Große Epidemien

1918 Europa Spanische Grippe 15-25 Millionen Tote
1957 USA Asiatische Grippe 70.000 Tote
1964/65 Deutschland 37.000 Tote
1968 USA Hongkong-Grippe 38.000 Tote

Direkt nach dem ersten Weltkrieg starben weltweit zwischen 15 und 25 Millionen Menschen an der Grippe. Auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges starben "nur" 8,5 Millionen Soldaten. Die Grippe raffte damals soviele Menschen dahin, wie die Pest, die 1347-52 über Europa herfiel.

 

 


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