Die EU-Osterweiterung - Lettand

Lettland (auf lettisch Latvija, amtlich Latvijas Republika, also Lettische Republik) ist wie Estland und Litauen ein Ostseestaat und ist wie seine beiden Nachbarn aus der Konkursmasse der untergegangenen Sowjetunion hervorgegangen.

In Lettland leben 2,3 Millionen Menschen auf einer Fläche von 64.589 qkm (das ist etwas kleiner als Irland und etwas größer als Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein zusammen). Die Bevölkerung besteht aus 56,5% Letten , 30,4% Russen, 4,3% Weißrussen, 2,8% Ukrainer und 2,6% Polen. Die Hauptstadt Riga hat ca. 764.000 Einwohner. Der hohe Anteil an Russen ist auf eine Umsiedlungspolitik während der Sowjetära zurückzuführen.

Auch Lettland ist wie Estland frei von Hochgebirgen, der höchste Berg ist der 311 m hohe Vidzerne.

Im Mittelalter lag das heutige Lettland auf dem Weg der Wikinger nach Russland und Byzanz. Eine wikingische Handelstraße führte am Fluss Düna bzw. Daugava entlang.

Im 12. Jahrhunderts kamen mitteleuropäische Kaufleute und Missionare an die baltische Ostseeküste. 1201 gründet Bischof Albert aus Bremen Riga.1282 wird Riga Hansestadt.

Auch das Gebiet des heutigen Lettlands wurde schließlich von (Herrschaftsgebiete suchenden) Deutschen Ritterorden erobert.

Nach der Eroberung wurden die Gebiete unter dem Namen Livland zusammengefasst. Livland aus dem 13. Jahrhundert lägt im Gebiet des heutigen Süd-Estland und Nord-Lettland. Die alte Provinz Kurland ( neben Riga das Hauptsiedlungsgebiet der deutschen Invasoren) liegt im jetzigen West- und Süd-Lettland.

Im livländischen Krieg (1558-1583) wird das lettische Gebiet polnisch/litauisch.

Riga wurde im polnisch-schwedischen Krieg 1621 schwedisch.

Das Herzogtum Kurland schaffte es im 17. Jahrhundert unter Herzog Jakob zwei Kolonien zu gründen. Eine nahe der Mündung des Gambiaflusses in Afrika und eine auf der Insel Tobago in der Karibik. Halten konnten sie sich jedoch nicht.

Eine Lettin wurde 1724 sogar russische Zarin.

Katharina I. (nicht verwechseln mit Katharina der Großen, das war Katharina II. 1729-1796) hieß ursprünglich Marta Skawronskaja und stammt aus einer Bauernfamilie. Sie war erst Mätresse Peters d. Großen. Der heiratete sie 1712 und krönte sie 1724 zur Kaiserin. Nach Peters Tod folgte sie ihm nach, starb aber schon nach zwei Jahren.

Von 1730-1740 war die Witwe eines kurländischen Herzogs Zarin, sie hieß Anna Iwanowna. Anna holte zahlreiche Baltendeutsche an den Zarenhof.

Nebenbei: Katharina die Große war eine deutsche Prinzessin. Sie hieß Sophie Friederike Auguste von Anhalt-Zerbst.

Anfang des 18. Jahrhunderts bricht der große aus. In diesem Krieg spielen das lettische Gebiet und die territorialen Ansprüche des Russischen Imperiums eine wichtige Rolle. Eins der Ziele des damaligen Russlands ist es, die reiche und berühmte Stadt Riga zu unterwerfen.

1710 im Nordischen Krieg wurden Livland und Riga russisch.

Die erste lettische Zeitung, der "Majas viesis" erschien 1856.

Zar Alexander III. Unterdrückte ab 1881 die separatistischen Bewegungen in seinem Reich. U.a. wird Russisch zur Amtssprache.

Lettischen Schützenregimenter dienten 1917 Lenin als Schutztruppe.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde am 18.11.1918 die lettische Republik ausgerufen. Die Situation war wie in den baltischen Staaten allgemein günstig, da Russland im Jahr vorher durch die Revolution mit seine eigenen Probleme hatte. Zudem waren weite Teile Russlands durch deutsche Truppen besetzt, aber Deutschland hatte wiederum den 1. Weltkrieg ebenfalls verloren und keine Ansprüche mehr in Russland.

1939/1940 verlor auch Lettland dank dem Hitler-Stalin-Pakt seine Unabhängigkeit. Deutsch-Balten wurden in den sogenannten Warthegau und ins Reichsgebiet umgesiedelt.

Am 21.07.1940 wurde auch Lettland der Sowjetunion angeschlossen.

Die nur kurz unterbrochene Russifizierung wurde mit Stalinistischen Methoden fortgesetzt. Über kurz oder lang wäre sie auch erfolgreich gewesen. 1990 sprachen nur noch noch 51% der Bevölkerung Lettisch.

Am 50. Jahrestag des Hitler-Stalin-Paktes (23.08.1989) formte sich eine 600 km lange Menschenkette mit ca. 1 Million Teilnehmer durch das Baltikum.

Am 4.5.1990 beschloss das Parlament die Unabhängigkeitserklärung. Die Unabhängigkeit wird am 3.3.1991 von 74% der Bevölkerung beschlossen.

Die lettische Verfassung „Satversme“ stammt aus dem Jahre 1922 und wurde 1991 größtenteils wieder in Kraft gesetzt.

Das lettische Parlament ist die „Saeima“.

Alle Richter werden vom lettischen Parlament gewählt.

2002 gewann Lettland mit der lettischen Sängerin Maria N und dem Lied "I wanna" den 47. Eurovision Song Contest.

Da die EU-Mitgliedsländer Kommissare in die EU-Kommission entsenden, jetzt aber alles schon „voll“ ist erhalten die Beitrittstaaten Kommissare ohne Geschäftsbereiche. Damit sie aber arbeiten, kooperieren sie mit einen schon amtierenden Kommissar. Lettland entsendet die 51jährige Sandra Kalniete nach Brüssel.

Sandra Kalniete ist die Tochter nach Sibirien deportierter Eltern. Sie wurde Kunsthistorikerin und 1987 Generalsekretärin des lettischen Künstlerverbandes. 1988 war sie bei der nach Unabhängigkeit strebenden Lettischen Volksfront mit dabei. Eine andere Lesart würde sowas als Separatistentum bezeichnen. Sandra Kalniete Lettland wurde später lettische Botschafterin und im November 2002 Außenministerin Lettlands. Sandra Kalniete wird nun mit dem österreichischen EU-Agrarkommissar Franz Fischler zusammenarbeiten.

Lettisch ist eine indogermanische bzw. indoeuropäische Sprache mit vielen Lehnwörtern aus dem Deutschen, Schwedischen und Russischen. Die Schrift ist lateinisch mit Zusatzzeichen.

Die lettische Rechtschreibung ist fast völlig lautgetreu.

Das Alphabet hat 33 Zeichen.

Lettisch hat keine Artikel. An männliche Substantive und Namen wird ein -s angehängt, an weibliche ein -a. Das dann auch an ausländische Eigennamen.

Ohne den Zusammenbruch der Sowjetunion wäre Lettisch vermutlich ausgestorben. Von 1990 bis 2003 stieg der Anteil der Lettisch-sprachigen Bevölkerung von 51% auf 63%.

Eine lettische Poesieform sind die Dainas, das sind meist vierzeiligen, nicht gereimte Lieder zu Alltagsthemen bis zur Mythologie. Es gibt inzwischen ca. 1,2 Millionen Texte und 30.000 Melodien die teilweise über tausend Jahre alt sind. Krisjanis Barons begann im 19. Jahrhundert die bis dahin mündlich weitergegebenen Lieder niederzuschreiben.

Eine kulinarische Spezialität Lettlands sind Speckbrötchen. Das sind Milch-Hefeteigbrötchen mit einer gepfefferten Speck-Zwiebel-Füllung.


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