Der Oscar 2006

Klatsch und Tratsch in Hollywood und einmal im Jahr werden die besten Kleider gekürt und nebenbei der begehrteste Staubfänger der Kunstwelt verliehen:

„Oscar“ ist ein internationaler Markenname. Wer einen Preis verleiht und den mit dem Namen Oscar ausschmückt kann Ärger mit den Anwälten der Academy bekommen.

Während der Oscar-Verleihung 2006 hatte der 81 Jahre alte Regisseur Robert Altman ein lange gehütetes Geheimnis ausgeplaudert: Er hätte seit über zehn Jahren ein neues Herz aus einer Transplantation.

Julia Jentsch, Darstellerin im Oscar-nomminierten Film "Sophie Scholl" soll mit drei Variationen eines Jill Sander-Kleides zur Oscar-Verleihung nach Los Angeles gefahren sein.

Die von Pro7 live übertragene Oscar-Verleihung 2006 hatte ca. 360.000 Fernsehzuschauer. In den USA guckten 38,8 Millionen zu.

Der Oscar für den besten Film 2006 ging an "L.A. Crash". Als der Film im Sommer 2005 in den deutschen Kinos lief wollten ihn rund 217.000 Zuschauer sehen. Mit dem Oscar auf dem Plakat wird der Film jetzt wohl nochmal in die Kinos kommen.

Die Academy of Motion Picture, Arts and Sciences hat 2006 ungefähr 5800 Mitglieder. Mitglieder werden unter anderm auch die Oscar-Preisträger. Für die Bewertungen der Filme entscheiden Schauspieler über Schauspieler und Regisseure über Regisseure etc. Hat ein Schauspieler auch mal Regie geführt, dann kann er bei beiden Kategorien mit abstimmen.

1929, als es die ersten Oscars gab, hatte die Academy 250 Mitglieder.

Den Oscar, den die Gewinner überreicht bekommen ist ohne Namen versehen. Später bekommt man ein Bastel-Set mit Schrauben und Plakette zum selberbeschriften geschickt.

Die Ursache dafür war eine Panne 1937: Spencer Tracy sollte einen Oscar bekommen, aber der Graveur schrieb Dick Tracy aufs Schildchen. Dick Tracy war in diesen Jahren ein berühmter Comic-Detektiv. Eine „Verwechslung“, die die Acadamy nicht nochmal riskieren wollte.

Der einzige Deutsche, der den Oscar als bester Hauptdarsteller gewann war 1929 Emil Jannings. Da er zu denDreharbeiten "Der blaue Engel" wieder in Deutschland sein wollte wurde ihm der Oscar vor dem - damals war ein Bankett die Verleihungfeier - dem Bankett übergeben.

Dadurch, dass Judi Dench 1998 den Oscar für die beste Nebendarstellerin gewann, hatte Pierce Brosnan in seinem letzten Bond (Die Another Day) zwei Oscarpreisträgerinnen an seiner Seite. Denn Halle Berry (spielte bei Bond die Agentin Jynx) ist (noch) die einzige afro-amerikanische Schauspielerin, die den Oscar erhielt. Sie gewann 2002 den Oscar für ihre Rolle in Monsters Ball.

Auch James Bond-Filme bekamen Oscars. Ist allerdings schon länger her:
"Goldfinger" - Oscar 1964 für beste Toneffekte
"Feuerball" - Oscar 1965 für beste Spezialeffekte

Seit 1953 kommt die Oscar-Verleihung im Fernsehen. Der erste Moderator im TV war Bob Hope.
Als Marlon Brando einen Oscar für seine Rolle im Mafia-Epos "Der Pate" bekommen sollte, schickte er Sacheen Littlefather, eine Indianerin vom Stamme der Apachen, als seine Vertreterin zur Verleihung. Sie verlas eine fünf Seiten lange Erklärung gegen die Indianerdiskriminierung. Angeblich war die Indianerin aber eine Schauspielerin namens Maria Cruz.

Der "Oscar" wird jährlich von den rund 6000 stimmberechtigten Mitgliedern der "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" (AMPAS) in Hollywood verliehen. Die Academy-Mitglieder repräsentieren alle Bereiche der Filmkunst. Jeder Personenkreis (Schauspieler, Regisseure, Kameraleute usw.) nominiert die Oscar-Kandidaten für seine Kategorie.

Die Nominierungen für den "Besten Film" erfolgen von allen Mitgliedern.

Ist die Vorauswahl getroffen, stimmen alle Mitglieder in geheimer Wahl über die endgültigen Oscar-Preisträger ab.

Der erste "Oscar" wurde am 16. Mai 1929 verliehen. Die Zeremonie fand während eines Banketts im "Blossom Room" des Hollywood Roosevelt Hotels statt. Es gab 250 Gäste, die Karten kosteten 10 Dollar.

Anfangs waren die Gewinner schon vor der Zeremonie in den Zeitungen zu lesen.

Seit 1941 gibt es das System mit den versiegelten Umschlägen.

Die 19. Oscar Verleihung (1947) war die erste, die im Radio übertragen wurde.

1953 gab's den Oscar dann auch im Fernsehen, seit 1966 auch in Farbe.

Die Oscar Zeremonie wurde bislang nur dreimal durch unvorhergesehene Ereignisse gestört:
1938 verursachte eine Flut in Los Angeles ein Chaos und die Zeremonie wurde ium eine Woche verschoben

1968 wurde die Verleihung wegen der Ermordung von Martin Luther King um zwei Tager verschoben

1981 gab es eine Verzögerung um einen Tag wegen des Attentats auf Ronald Reagan.

2002 wurde erstmalig auch ein Oscar für den besten animierten Spielfilm vergeben.

 

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Oscars gibt es immer leicht, wenn man (salopp gesagt) einen Behinderten, Siechen, Irren oder Kranken spielt (für Dicke gibt's eher selten eine Auszeichnung, unfair sowas):

1999 Hilary Swank - Boy's don't cry
Hilary Swank spielt Teena Brandon, die aber ein Mann sein möchte und sich deswegen in Brandon Teena umbenennt.

1997 Jack Nicholson - Besser geht's nicht (As Good As It Gets)
Nicholson spielt einen schizophrenen Schriftsteller.

1996 Geoffrey Rush - Shine
Rush spielt den nervenkranken Pianisten David Helfgott.

1996 Juliette Binoche - beste Nebendarstellerin - "Der Englische Patient"
Binoche spielt die Pflegerin des "englischen Patienten".

1995 Oscar Nicolas Cage - Leaving Las Vegas
Cage spielt einen Alkoholkranken Spieler. Der Film "Leaving Las Vegas" basiert auf dem autobiographischen Roman von John O'Brien. John O'Brien nahm sich zwei Wochen vor Drehbeginn das Leben.

1994 Tom Hanks - Forrest Gump
Hanks spielt den leicht zurückgebliebenen Forrest Gump, der bei Ereignissen der jüngeren US-Geschichte immer irgendwie dabei war.

1993 Tom Hanks - Philadelphia
Hanks spielt einen Aidskranken.

1992 Al Pacino - Scent Of A Woman
Al Pacino spielt einen Blinden

1991 Anthony Hopkins - The Silence Of The Lambs
Hopkins spielt den psychopatischen Mörder Hanibal Lecter.

1990 Kathy Bates - Misery
Bates spielt einen besessenen Fan eines Schriftstellers.

1989 Daniel Day-Lewis - My Left Foot
Lewis spielt den gelähmten Christy, der nur seinen linken Fuß kontrollieren kann.

1988 Dustin Hoffman - Rain Man
Hoffman spielt den Autisten Raymond Babbit.

1986 Marlee Matlin - Children Of A Lesser God
Marlee Matlin spielt eine Taubstumme, ist es aber auch im wirklichen Leben.

1978 Jon Voight - Coming home
Voight spielt einen gelähmten Vietnam-Veteranen.

1975 Jack Nicholson - Einer flog über das Kuckucksnest
Nicholson spielt Randel Patrick McMurphy der vortäuscht psychisch krank zu sein.

1962 Anne Bancroft (Hauptrolle) Patty Duke (Nebenrolle) - Licht Im Dunkel - The Miracle Worker
Anne Bancroft spielt die Betreuerin der blinden Helen Keller (Patty Duke).

1950 Jose Ferrer- Der letzte Musketier - Cyrano de Bergerac
Ferrer spielt den Cyrano, der mit einer übergroßen Nase geschlagen ist.

1948 Laurence Olivier - Hamlet
Olivier spielt den in den Wahnsinn abgleitenden Prinzen von Dänemark.

1948 - Jane Wyman - Schweigende Lippen - Johnny Belinda
Wyman spielt die taubstumme Belinda.

1947 Ronald Colman - A Double Life
Colman spielt den Schauspieler Anthony John, der sich zu sehr mit seinen Rollen identifiziert.

1945: Ray Milland - Das verlorene Wochenende
Milland spielt den alkoholkranken Schriftsteller Don Birman.

1932 Fredric March - Dr. Jekyll and Mr. Hyde
March spielt den Arzt Dr. Jekyll, der sich durch ein selbstgemixtes Medikament in den bösartigen Mr. Hyde verwandelt.

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Katharine Hepburn bekam bislang als einzige 4 Oscars (12mal nominiert):

1932/33 Morning Glory
1967 Guess Who´s Coming To Dinner
1968 The Lion In Winter
1981 On Golden Pond

2002 haben erstmal zwei farbige Schauspieler die Beste-Schauspieler-Trophäe bekommen (Denzel Washington und Halle Berry).

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Emil Jannings (1884-1950) war der erste (und der erste Deutsche) der einen Oscar bekam

Er bekam ihn 1928 für seine Rolle in "The last command".

1926 hatte ihn Hollywood abgeworben, aber 1929 kam er zurück nach Deutschland.

Die Zeit des Tonfilms hatte begonnen, und wegen schlechter Englischkenntnisse verließ er die USA.

"Der blaue Engel" wurde sein erster Tonfilm.

Im "Dritten Reich" wurde Jannings zum Staatsschauspieler.

 

 


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