Der "Tag von Potsdam" am 21.3.1933 - Deutschland auf dem Weg zum "Dritten Reich"

Am 21.3.1933 war der "Tag von Potsdam". Er taucht immer wieder in der Chronologie, die den Weg in die Diktatur Hitlers und der NSDAP beschreibt, auf. Wieso ist ein Tag in einer Kirche so bedeutsam?

Die Potsdamer Garnisonkirche wurde von 1731-1735 unter dem Architekten Johann Philipp Gerlach gebaut. Sie diente den in Potsdam stationierten "Langen Kerls" des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. als Kirche.

Das Glockenspiel im Turm spielte "übÕ immer Treu und Redlichkeit".

Die Pauken- und Trompetengel an der Orgel trugen soldatenähnliche Helme.

Den Kanzelaufgang bewachten die Weisheitsgöttin Minerva und der Kriegsgott Mars.

Die Gruft der Kirche war so klein, dass nur zwei Särge hineinpassten. Friedrich Wilhelm I. hatte die Gruft für sich und seine Frau vorgesehen. Allerdings wurde schließlich seine Frau Sophia Dorothea 1757 in der Berliner Domkirche beigesetzt.

Den zweiten Platz in der Gruft erhielt sein Sohn Friedrich der Große, der eigentlich auf der Terrasse von Schloss Sanssoući seine letzte Ruhe finden wollte.

1805 besuchte der russische Zar Alexander I. das preußischen Königspaar Friedrich Wilhelm III. und Luise.

In der Nacht vom 3. auf den 4. November fasste Alexander I. vor dem Sarg Friedrichs II. die Hände des preußischen Königspaar und beschwor mit einem Kuß auf den Rand des Sarges die Freundschaft zwischen Rußland und Preussen.

Damit wurde das russisch-preußische Bündnis gegen Napoleon und Frankreich geschlossen

1806 siegte der französische Kaiser Napoleon über die Preussen bei Jena und Auerstedt und besuchte im Oktober ebenfalls die Garnisonkirche.

Bis 1918 hingen kamen in der Garnisonkirche fast 200 französische, dänische und österreichische Fahnen und Feldzeichen zusammen. Sie schmückten die Kirche.

In der Garnisonskirche wurde 1912 der 200. Geburtstag Friedrichs II. und 1913 das 25jährige Thronjubiläum Wilhelms II. begangen.

All diese Umstände machten die Garnisonkirche zu einem preussischen Mythos

Da der Reichstag in der Nacht vom 27. auf den 28.2.1933 brannte und der Saal nicht zur Verfügung stand, war ein Ausweichquartier zur Eröffnung notwendig geworden.

Allerdings gab es kaum Gebäude, die ohne weiteres 600 Abgeordneten Platz boten. Reichskanzler Hitler hatte das Potsdamer Stadtschloss vorgeschlagen, aber auch das hatte nicht ausreichend Platz.

Der von Reichsinnenminister Frick (NSDAP) aufgegriffenen Vorschlag einer Sitzung in der Garnisonkirche erschien als gute Lösung, sie hatte Platz und würde die Chance bieten die Nationalsozialisten und peussische Traditionen zusammenzubringen.

Allerdings war die kurmärkische Oberkirchenleitung unter Otto Dibelius dagegegen. Einen Sakralbau für eine profane Reichstagseröffnung zu verwenden, fand nicht seine Zustimmung. Die Reichstagseröffnung sollte daraufhin im nebenan gelegenen "Langen Saal" stattfinden.

Der "Lange Saal" war allerdings nicht in so kurzer Zeit als Reichstag herrichtbar, sodass die Reichstagseröffnung in die Berliner Kroll-Oper verlegt wurde.

Die Garnisonkirche in Potsdam bliebt somit nur noch für einen symbolischen Akt übrig.

Allerdings gab es damals einen ganzen Satz Symbole der mit dem Tag von Potsdam zusammengebracht werden konnte:

Mit der nationalsozialistisch-konservativen Machtübernahme sollte in Deutschland das wahrgenommene Chaos der Weimarer Republik zu Ende sein. Daher waren Symbole nicht verkehrt.

Die Garnisonkirche kam ins Gespräch, weil der Potsdamer Obermagistratsrat Bestehorn die Möglichkeit sah die neue Regierung mit der Kaiserproklamation von Versailles 1871 zu verbinden (Zur Erinnerung: Ein Bündnis deutscher Staaten besiegte 1871 Frankreich und in der Folge wurde das Deutsche Kaiserreich unter preußischer Führung geschaffen. Das war nach NS-Diktion das sogenannte "Zweite Reich". Das erste Reich war das 1806 zugrunde gegangene Heilige Römische Reich Deutscher Nation) Denn die Reichproklamation 1871 wurde von einem ein Hofprediger und Pfarrer der Garnisonkirche vorgenommen

Dann war die Gelegenheit (der Berliner Reichstag war abgebrannt) da eine Verbindung zu den anderen deutschen Revolutionen von 1848 und 1919 herzustellen. Diese fanden nämlich auch ausserhalb Berlins (Frankfurter Paulskirche bzw. Weimarer Nationaltheater) statt. Natürlich sollte die Revolution einen national-konservative sein, aber schon eine Revolution.

Auch das Datum, 21.März, war kein Zufall, denn am 21. März 1871 trat der erste Reichstag des in Versailles ausgerufenen Kaisereiches zusammen.

Der Tag von Potsdam fand dann wie geplant am 21.3.1933 statt. Es wurde ein Tag des national-konservativ-monarchistischen, weniger einer des national-sozialistischen Deutschlands.

Der 85jährige ehemalige Weltkriegs-Feldmarschall und Reichspräsident Hindenburg kam in seiner Marschallsuniform und grüßte mit seinem Marschallstab die leere Hohenzollernloge der preußischen Könige und Kaiser in der Garnisonkirche.

Hitler und Hindenburg sprachen in ihren Reden nationalkonservative Ziele an und riefen zur nationalen Einheit auf.

Im weiteren Verlauf des Tages ging Hindenburg mit zwei Adjutanten in die Königsgruft, um innere Zwiesprache mit toten Königen zu halten. Das versammelte Publikum saß währenddessen schweigend in der Kirche.

Nach dem Gedenken folgte eine grosse Parade vor der Kirche mit Eliteformationen der Reichswehr, SA- und Stahlhelmformationen, Schutzpolizeieinheitenâ Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel.

Die zeitlichen und örtlichen Symbole (die sich z.T. auch mehr oder weniger zufällig ergaben) erhielten durch den am 13. März 1933 zum Minister des neugeschaffenen "Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda" Joseph Goebbels die hilfreiche medienwirksame Untermauerung.

Mit dem "Tag von Potsdam" gelang es Hitler seine Person, seine Regierung, Friedrich den Großen, Preußen, das Kaiserreich und das Militär in eine Linie zu bringen und somit den Deutschen ein Ende der unruhigen Zeiten der Weimarer Republik zu versprechen. Bei den Nationalkonservativen, wie Vizekanzler Franz von Papen, entstand zudem der Eindruck, dass die Komponenten "S" und "A" der NSDAP (Sozialismus und Arbeiter) im Zaum gehalten werden.

 

 

 

 

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